Blogexport

Der Umstieg auf eine DSLR war  lange beschlossene Sache und sollte vor dem ebenso lange geplanten Indonesien-Urlaub stattfinden. Da die D90 durch keine D7000 abgelöst wurde, hatte ich ich sie mir zugelegt und versprochen, einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Es werden wohl mehrere werden.

Im ersten Teil beschränke ich mich auf den Unterschied zu meinen Erfahrungen mit Bridge-Kameras (ich hatte eine Sony F828 und Fuji 100FS) und dabei auf die Unterschiede im Autofokus und der Schärfentiefe.
Der Umstieg von einer Bridge Kamera auf die D90 verlief deutlicher als erwartet. Mit meiner alten Sony oder der Fuji wäre ein Foto wie hier wohl nicht entstanden. Zum einen haben sie einen deutlich kleineren Sensor und damit eine viel größere Tiefenschärfe, bei der die nette Fotografin auch bei gleicher Entfernungseinstellung mit scharf geworden wäre und das Fokussieren auf die Strohhalme gar nicht aufgefallen wäre. Ausserdem hat sie keine dedizierten Sensoren zum scharf Stellen, sondern nutzt das Bild des Sensors und errechnet aus dem Kontrast die optimale Einstellung. Auf Wunsch auch mit Gesichtserkennung, die hier sicher geholfen hätte.

Bildschirmfoto 2010-04-30 um 19.52.14
Auf dem Screenshot hier ist ziemlich deutlich zu sehen, worauf die Kamera scharf gestellt hat: die Blätter im Vordergrund.

Das Anzeigen der aktiven Fokusfelder ist übrigends eins der neuen Feautures in Aperture 3, die ich ganz gerne mag.

Mit der D90 sind mir allerdings auch deutlich schönere Bilder gelungen. Für Hüftschüsse ist man mit der auf dem Bild mit abgebildeten Lumix LX-3  allerdings besser gerüstet.
Die D90 bietet ein Fülle an Autofokus Optionen, hätte ich die Richtige gewählt, oder eine der Richtigen (!), z.B.  Beschränkung auf den mittleren Fokuspunkt, würde die D90 das Gesicht im oberen Bild so scharf stellen, dass man jede einzelne Wimper erkennen könnte. Die Minze im Vordergrund wäre dann aber nur vom Mojito-Kenner zu als solche zu identifizieren. Die Fuji bietet wie die D90 die Möglichkeit, den Fokuspunkt im Bild zu verschieben, nutzen musste ich die Option allerdings bei der Fuji nicht, höchsten mal den Fokus-Lock.
Besonders, als ich im Urwald durch Bäume einen Orang-Utan mit seinem Kind fotografieren wollte, habe ich mir gewünscht, dass die Kamera besser merkt, welches Bilddetail ich scharf stellen möchte und dann auf manuellen Fokus umgestellt.
Wieder zurück in der Lodge habe ich mir dann das Handbuch geschnappt, den Teil zum Autofokus genauer durchgearbeitet und festgestellt, dass es keine optimale Einstellung gibt. Vielleicht hätte der Live-View mit zuschaltbarer Gesichtserkennung den Orang-Utan durch den Blätterwald gefunden, Live-View bedeutet dann auch Kontrast-Autofokus und der ist so lahm,  Schnappschüsse wären damit  auch nicht möglich gewesen.
Das Spiel mit der (Un-)Schärfe gefällt mir eigentlich sehr und war einer der Hauptgründe für den Umstieg auf eine DSLR. Dass Fokussieren damit aber auch anspruchsvoller wird, hatte ich verdrängt.
Auch die Geschwindigkeit der AF-Sensoren können überzeugen, auch wenn ich keine Verbesserung gegenüber der Fuji, die ja keine AF Sensoren, dafür aber einen relativ schnellen Kontrast-AF hat, feststellen konnte. Manuelles scharf Stellen geht nur bei ausreichend Licht, im Urwald ist das selbst tagsüber nicht immer gegeben. Schon in der Dämmerung bietet der Sucher nicht mehr genügend Details um sicher scharf zu stellen …. zumindest ohne Lesebrille …
Die D90 hat einen frei belegbaren Knopf neben dem Objektiv, ich habe die AF-Optionen darauf gelegt. Etwas verwirrend war für mich, dass es an der Oberseite und damit super platziert zwar eine AF-Taste gib, mit dieser kann mann allerdings nur zwischen Einzelautofokus (AF-S), kontinuierlichem Autofokus (AF-C) und Auto, bei der die D90 zwischen AF-S und AF-C wechseln kann, auswählen. Bei AF-S wird der Auslöser blockiert, bis scharf gestellt wurde, beim AF-C kann jederzeit ausgelöst werden, auch wenn keiner der AF-Sensoren fokussieren konnte, dafür wird bei beweglichen Objekten nachfokussiert.

Zusätzlich zur Entscheidung zwischen AF-A, AF-S und AF-C kann/muss man noch zwischen diesen Messmethoden wählen:

  • Einzelmessfeld
  • Dynamische Messfeldsteuerung – wenn sich das Objekt von einem Messfeld in ein angrenzendes Messfeld bewegt, wird dieses aktiviert
  • automatische Messfeldgruppierung mit Motiverkennung bei der mit G- und D- Objektiven (sie übertragen die eingestellte Entfernung an die Kamera) auch Gesichter erkannt und vom Hintergrund unterschieden werden sollen (das Bild zeigt, wie gut das funktioniert
  • 3D-Tracking, auch hier können sich die aktiven Messfelder ändern, während der Auslöser halb gedrückt ist, um zum Beispiel einen Kameraschwenk auszugleichen.

In der Einzelmessfeldsteuerung kann man mit den Cursortasten jedes der 11 Messfelder auswählen. Das hätte ich wissen müssen, bevor ich den Orang-Utans begegnet bin.
Ich habe diese Auswahl nun auf die vordere unbeschriftete Multifunktionstaste gelegt. Sie funktioniert aber nur in den manuellen Modi P,A,S und M. Bei den automatischen und Szene-Modi ist die Messmethode festgelegt, meistens ist es die automatische Messfeldgruppierung, auf die ich gar nicht stehe
Gut dass die D90 so viele Knöpfe hat, das alles über das Menü einzustellen würde keinen Spass machen. Apropos Menü: Hier lässt sich noch das AF Hilfslicht ein und ausschalten, es ist so hell, dass  ich es wirklich manchmal abschalte. Im Menü bekommt man die letzten Änderungen angezeigt, das wieder zu ändern geht also recht fix.

Fokussieren ist also nicht einfacher geworden. Mein Wunsch an die Macher der D7000 wäre daher:

  • Ein LiveView mit schnellem Kontrast-Autofokus, wie ihn die Micro-FourThirds Kameras bieten. (Dass Kontrast-AF allerdings spezielle Objektive benötigt, zeigt Olympus)
  • Ein schwenkbares Display mit Touchscreen zur Auswahl des Fokus-Punktes wie bei der G2 von Panasonic

Für ein erste Fazit reicht es wohl: Ich bin froh, dass ich die D90 und nicht die Fuji mit in den Urlaub genommen habe. Es sind zwar viel mehr Bilder als früher falsch fokussiert, aber auch viele wirklich knackige Bilder mit der D90 gelungen. Fotografieren ist aufwändiger aber auch spannender geworden.

Auch fällt mir keine DSLR (in derPreisklasse der D90) ein, die ich lieber mitgenommen hätte, wobei ich glaube, dass Sony und Olympus ernsthafte Konkurrenten hätten. Die Olympus E620 ist vor allem aus der engeren Auswahl gefallen, weil Apple ihr RawFormat nicht unterstützte, das ist seid dem letzten Raw-Update auch mit dabei.
Als nächstes wird ein Artikel folgen, in dem ich beschreibe, was ich an der D90 mag und was nicht.

Links: