Abschied vom Schwimmbad

Jedes Jahr, wenn die Freibadsaison vom Waldsee beginnt, wird das Schwimmbad in Walldorf geschlossen. Diesmal allerdings zum letzten mal und das ist eigentlich ein trauriger Event, ich habe mich beim Schwimmen im Hallenbad immer sehr wohl gefühlt. Wenigstens durfte ich die Abschiedsbilder mit den letzten Badegästen machen und hatte dann das Schwimmbad für mich um die letzen Bilder vom Bad zu machen.
Das Schwimmbad hat mir sehr gut gefallen, gut es war alt, hatte aber sehr viel Charme durch seine riesige Glasfront mit Blick auf den angrenzenden Wald und See. Es war sehr hell und hatte eine tolle Farbstimmung. Die Decke ist mit braunem Holz verkleidet und dass passte sehr gut zu den Blautönen der Wandfliesen und des Beckens und dem Sichtbeton. Überall war Patina, die das Gebäude eher bereichert hatte als dass sie störend war.
Bei den Shootings waren hauptsächlich zwei Objektive an meiner Kamera:
Mein neues 10-24mm Zoom von Tamron (auf Kleinbild umgerechnet sind das 16-35mm ) und
die Nikkor 35mm f 1.8 Festbrennweite.
Für die Bilder in den Innenräumen brauchte ich selten ein Tele, eigentlich klar.
Im Nachhinein hat mich dann aber doch überrascht, dass die Bilder, die mit dem 35mm Objektiv entstanden sind, letztendlich zu meinen Favoriten gehörten. Sonst ist nehme ich es vor allen für Portratits und Stileben. Und das 10-24mm Zoom bietet doch eigentlich einen extremen Blickwinkel, und und drängt sich sich für den Einsatz in der Schwimmhalle gerade zu auf.
Hier erst einmal ein paar Bilder mit der 35mm Festbrennweite:
[scrollGallery id=2]Das Objektiv spielt hier besonders seine Stärken durch den (Un-) Schärfeverlauf aus und bringt die Stimmung in dem Gebäude gut rüber.
Hier nun einige Bilder, die mit dem Weitwinkel-Zoom entstanden sind:
Bei der Aufnahme mit 10mm Brennweite muss man tunlichst auf gerade Linien achten. Hält man die Kamera schräg, und sei es horizontal oder vertikal, entstehen sofort stürzende Linien, das letzte Bild zeigt es deutlich. Hier habe ich auf gerade Säulen rechts geachtet aber quer in den Raum fotografiert, der Winkel am Beckenrand vorne zeigt es überdeutlich.
Wo wir schon dabei sind, hier ein paar Tips zur Architekturfotografie, ich hatte ja vor kurzen an einem Workshop dazu teilnehmen können und so die schlimmsten Fehler vermieden – hoffe ich jedenfalls.
- Erst mal das Gebäude genau ansehen. Das habe ich schon beim Schwimmen gemacht. Auch die Lichtsituation sollte dabei ziemlich genau beobachtet werden. Auf den Bildern machen sich Licht-/Schattenkontraste viel stärker bemerkbar als man bei der Aufnahme denkt. Ich habe teilweise HDR-Bilder erstellt um die Kontraste abzuschwächen, die Farben waren hinterher aber nicht mehr natürlich genug und die HDRS passen einfach nicht in die Serie. Für s/w Bilder kann ich sie aber wieder verwerten.
- Perspektive und Fluchtpunkte beachten. Je weitwinkliger die Aufnahme, desto weniger kann man später retten. Die Kamera sollte eigentlich immer horizontal gehalten werden, ich habe mir vor dem Auslösen immer überlegt, in welcher Höhe die Kamera auf der gegenüberliegenden Seite wäre und auf diesen Punkt gehalten. Auch Schüsse quer in den Raum sollten nur bewusst gemacht werden, wenn man die stürzenden Linien, die dabei entstehen, auch wirklich als Stilelement im Bild haben will. Ansonsten bewirken sie meist eine unnatürliche und unruhige Stimmung.
- Nachbearbeitung: Ich habe bei einigen Bildern mit PTLens perspektivische Korrekturen vorgenommen. Das geht aber nur in beschränktem Umfang. Das vierte Bild in der Weitwinkel-Serie ist beispielsweise von der Empore nach unten fotografiert. Die nach hinten zulaufenden Linien und nach außen fallenden Säulen habe ich ein wenig abgemildert. Hätte ich stärker eingreifen wollen, wäre ein zu kleiner Bildausschnitt entstanden. Alles wäre auch damit nicht mehr gerade geworden und ein Hochkantbild mit 35mm waagerecht ausgerichtet aufgenommen wäre die bessere Alternative gewesen. Oder ein Tilt-Shift Objektiv für 1800€. Mit PTLens kann man aber gut tonnenförmige Verzeichnungen korrigieren. Wann immer die Fugen der Fliesen zu sehr gebogen waren, habe ich sie wieder gerade gerichtet. Den Weißabgleich habe ich auf Tageslicht gestellt und musste trotzdem in Aperture bei fast jedem Bild einen neuen Weißabgleich machen. Das lohnt sich aber. HDRs wollte ich eigentlich machen, aber wie schon geschrieben, waren die Ergebnisse nicht besonders farbecht. Besser hat es mit Viveza funktioniert, da konnte ich einzelene Bereiche abdunkeln oder aufhellen. Eigentlich bin ich ein Fan von Split-Toning und dem Erzeugen bestimmter Stimmungen durch nachträgliches Einfärben. Die Bilderserie hier sollte aber auch dokumentarisch wirken und die “echte” Stimmung rüber bringen. Daher habe ich nicht nachgetont. Bei Aussenaufnahmen macht das aber durchaus Sinn.
- Archtekturfotografie kostet Zeit. Ich war drei Mal im Hallenbad für Aufnahmen und habe mehrere Stunden mit der Nachbereitung zugebracht. Diese Zeit solltet Ihr Euch auch nehmen. Früher in der Dunkelkammer habe ich allerdings einen ganzen Abend damit verbracht ein oder zwei Bilder zu erstellen. So schlimm ist es hier nicht mehr :- )
- Therorie büffeln hilft. Ein wirklich tolles Buch dazu ist „Architekturfotografie“ von Adrian Schulz aus dem dpunkt Verlag. Er holt sowohl den Anfänger ab, belässt es aber nicht bei Oberflächlichkeiten. Auch wenn es ein Kapitel mit Kreativtips gibt, liegt der Fokus ganz klar in der Technik. Damit ist das Fundament für die Entwicklung einer genen Bildsprache gelegt. Und die findet sich in keinem Buch.
- Ich liebe mein 35mm Objektiv (68.5%)
- Architekturfotografie (64.8%)
