Sichtweisen
Am vergangenen Samstag hatte ich die zweite Convention MOTIVationFOTOGRAFIE in der Luminanz in Saarbrücken mit dem Thema Sichtweisen besucht. Die Vorträge der Fotografen haben mich so beeindruckt, dass ich davon berichten will. Über den Tag verteilt hatten die Fotografen einen einstündigen Slot, in dem sie von Ihrer Arbeit erzählten. Es waren allesamt echte Nerds, die sich auf einen Teilbereich der Fotografie beschränken und sich darin perfektioniert haben, was wohl sicher auch ein nicht allzu keinen Teil ihres Erfolgs ausmacht. Beeindruckt haben sie alle, aber drei der Fotografen möchte ich hier vorstellen:
Ich fang mal mit Vernon Trent an. Seine einzige Digitalkamera ist sein iPhone. Und das benutzt er eher um seine Bilder zu zeigen als damit neue aufzunehmen. Denn die sind klassisch analog aufgenommen. Er geht dabei so weit, daß er sich die Chemikalien für Negative und Prints selbst zusammen stellt. Ich weiß gar nicht ob Print der richtige Ausdruck ist, weil Bilder ja eigentlich belichtet wurden und nicht in einem Drucker entstanden sind. Als Ergebnis bekommt er jedenfalls Bilder, die äußerst zart und sensibel sind. Auf seiner Web Site kann man eine eindrucksvolle Gallerie seiner Bilder sehen. Vernon hatte einige seiner Prints während des Vortrags durch die Reihen gehen lassen und ich hatte das Gefühl, alle haben sie wie wertvolle Schätze angesehen und kaum getraut sie richtig in die Hand zu nehmen.
Vernon hatte zwar die unterschiedlichen Techniken, die er verwendet, kurz vorgestellt, hängen geblieben sind bei mir aber leider nicht viel mehr als die Stichworte wie Cyanotype, Van Dyke, Platin- und Palladiumdruck. Völlig abgedreht fand ich, dass man aus Zitronensaft, Kaffe und Löwenzahn lichtempfindliche Schichten, Entwickler und Toner herstellen kann. Ich habe sofort Lust auf mehr bekommen. Der einzige Workshop von ihm in der nächsten Zeit findet auf den Fototagen in Primasens am 11.6.2011 statt. Hier der Link.
Nicht weniger beeindruckt hat mich Kai Gebel, der Wedding Punk. Schaut Euch dieses Video an, das er auch auf der Convention gezeigt hatte:
TALK WITH YOUR BRIDE from WEDDINGPUNK on Vimeo.
Kai macht Reportagen. Es geht ihm dabei aber nicht darum den Brautstrauß möglichst im perfekten Weißabgleich darzustellen und zu dokumentieren, wie das Brautpaar neben den Brauteltern auf der Treppe vor der Kirche stand. Seine Bilder und Videos vermitteln die Faszination des Augenblicks. Und das richtig heftig!
Was ihn zum Profi macht ist aber sicher auch seine Arbeitsweise. Aufwendiges Equipment z.B. mit Blitzen ist nicht. Wenn die Bildaussage stimmt, darf das Bild auch mal unterbelichtet, verwackelt oder unscharf sein. Umso perfekter ist aber sein Workflow zum abgabefertigen Ergebnis. Dazu gehört zum Beispiel, dass er nicht Massen an Fotos schließt, die er später aussortieren muss, sondern nur auslöst, wenn er weiß, dass ihm das Bild, das gerade entstehen wird, auch gefällt. Aber das muss man erst mal können!
Weiter als das Auge reicht …
ist der Blickwinkel der Bilder von Uwe Statz. Er erstellt Panoramen. Meine Haltung zur Panoramafotografie ist eher gespalten. Oft sind Panoramen langweilige Dokumentationen einer Landschaft in Rundumansicht. und der 360° Blick macht aus einem langweiligen Motiv kein interessantes. Bei Uwe Statz ist das anders. Er hatte uns in seinem Vortrag einige sehr interessante und witzige Projekte vorgestellt. Mit dabei war Main360, mit HDR-Panoramaansichten der Radwege am Main – nota bene: das sind über 600km! Ich fand allerdings vor allem sein Waldbild mit Pilzen im Vordergrund beeindruckend, weil es eine Kombination aus Makro und Landschaftspano ist. Seine Web Site zu besuchen lohnt sich!
Mit dabei waren noch Calvin Hollywood und Eberhard Schuy, Ben Hupfer und Erwino Nitz waren verhindert.
Knappes Fazit: Nächstes mal bin ich wieder dabei!
