Vor ein paar Tagen kam mein neues MacBoook Pro mit Retina Display. Ich hatte mich natürlich gefreut, wie ein Schneekönig. Es ist flach. Sehr flach. Mein Moleskine-Notizbuch ist dicker. Aber gefühlt mindestens genauso schwer wie mein altes 13“ MacBook.
Als erste Aktion habe ich meinen Benutzeraccount per Time-Machine-Backup übertragen, das hat bei knapp 200GB ca. 40min gedauert und dann konnte ich damit spielen arbeiten.

Das Retina Display kannte ich schon vom iPad und für mich war es bisher eher ein Nice-to-Have Feature als ein Kaufargument. Das legt sich aber innerhalb kürzester Zeit. Das Display ist einfach so anders.

Seit meinem ersten bernsteinfarbenen Monitor hat sich die Auflösung ständig verbessert, aber alles auf den Monitoren hat sich aus mehr oder weniger großen Pixeln zusammengesetzt. Auch Text. Irgendwann wurde er mit Anti-Aliasing verbessert und sah kaum noch pixelig aus. Aber jetzt sitze ich vor einem Display das wirklich (!) anders ist. Die Texte werden nicht wie bisher aus einzelnen Pixeln zusammengesetzt sondern irgendwie eingestanzt. Glaube ich. Es sieht einfach toll aus, wenn gar keine Pixel mehr zu sehen sind. Punkt! Und ja, ich habe meine Lesebrille auf.

Den Unterschied sieht man sofort, wenn man eine Seite in Google Chrome oder im Safari darstellt. In Chrome sieht es aus wie auf einem echten Computermonitor während es in Safari wie gedruckt aussieht. Genau, wie in einem Bildband auf hochwertigem glänzenden Papier gedruckt. eBooks kommen darauf verständlicherweise auch ziemlich gut. Nur am iPad ist das Interface besser 🙂
Ich habe mir das Macbook aber aus einem anderen Grund zugelegt:

Aperture war auf meinem alten Gerät zu lahm geworden. Und da ich ja meinen Benutzeraccount mit Aperture Library schon drauf habe, war auch mein erster Test das Anwenden eines Presets auf RAW-Bilder. Beim 2008er MacBook dauert das 10 Sekunden. Jetzt irgendwas unter einer Sekunde, um es genauer zu wissen hatte ich das Preset auf 16 Bilder angewandt und das dauert dann knapp 13 Sekunden. Am Screenshot sieht man auch wie schön Aperture die Last verteilt und ich bin froh, mich für den 4-Kern Prozessor entschieden zu haben.

Ok, Apple, genug gelobt!

Ich glaube mehr Hardware war in so einem kleine Gehäuse nicht unterzubringen, das Design ist innen bestimmt noch viel perfekter als aussen. Aber sehen kann ich es nicht. Die Lüfter sind selten an und dann auch wirklich leise. Das Gehäuse ist deutlich flacher als mein altes MacBook, aber ist das praktisch? Nicht wirklich. Hätte es ein 13“ Macbook gegeben, das im Vergleich zum alten noch dicker geworden wäre und dafür einen 4-Kern i7 und Platz für eine zweite Platte (wie es mein altes MacBook ja auch hatte) gehabt hätte, ich hätte es geholt. Mit oder ohne Retina Display (ok, ab jetzt nur noch mit).
Mal ehrlich: Wem bringt es etwas, dass das Gehäuse so dünn ist? Ich reise viel und nehme das Macbook eigentlich auch immer mit, aber jetzt muss ich noch eine externe Platte mitschleppen, die Bilder sind jetzt auf einer 3.5“ Platte und wenn man die dazu rechnet ist jede Gewichtseinsparung gegenüber größeren und schweren Vorgängermodellen komplett dahin. Und die Performance der USB3-Platten liegt bei ca 80MB/sec und damit deutlich unter der Schreib-Lese-Rate von 400/450 MB/sec der internen SSD. Ob das am Bus oder der Platte liegt weiss ich nicht.

Mein Fazit

Display und Performance sind wirklich fantastisch. Die CPU bekomme ich auch mit Aperture nicht an den Anschlag. Gestern haben wir ein Video auf das appleTV gestreamt und die Maschine war zu 96% idle. Ich hätte aber nicht gedacht, dass die 8GB RAM sofort in Beschlag genommen werden und würde beim nächsten Rechner gerne noch mehr haben. Und festen Speicher sowieso.
Auch die Arbeitsweise mit dem Gerät wird sich ändern: Weniger auf der Couch und mehr am Schreibtisch. Weil da ist die Platte mit dem Großteil meiner Bilder und das Netzteil. Und die 1000 Zyklen, die der Akku haben soll, verbrauche ich dann doch lieber in der Bahn oder im Flieger als auf der Couch.
Und zum Reisen empfinde ich das Gerät als flacher als notwendig, dafür aber auch als zu breit und zu tief. Bei einem Flug innerhalb Europas brauche ich das Macbook gar nicht erst aufzuklappen. Nicht bei den Sitzabständen in der Holzklasse. Es sei denn, meine Sitznachbarn lassen sich beim Tippen gerne in ihre Hüften rammen.
Im Alltag wird es häufiger am Stromkabel und an einer externen Platte hängen. Damit ist es nicht wirklich mobiler als mein altes MacBook, in dem ich eine schnelle SSD, eine große Festplatte und einen austauschbaren Akku hatte. Nur leider keine schnelle CPU.

Jonathan Ive sagt „It‘s without doubt the very best MacBook that we‘ve ever built“ Und ich stimme ihm da voll zu. Aber es ist bei weitem nicht das praktischste.

Insofern glaube ich nicht, dass mich das neue MacBook so lange begleiten wird, wie mein altes. Und das ist eigentlich schade.