Bilder, Myanmar (Birma), Singapur
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Keine Angst vor High ISO Aufnahmen

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LR_RauschenWenn es  dunkel wird, denke ich:

Besser verrauscht, als verwackelt

Es gibt einfach Situationen, da sind Stativ und Blitz entweder nicht angebracht oder verfügbar. Bei Hochzeiten und Konzerten zum Beispiel. Da kann man dann lichtstarkes und entsprechend schweres Glas vorne dran schrauben. Auf einer Rucksackreise durch Myanmar ist das eher schwer – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich hatte die A7 mit dem 24-70mm f/4.0 Zoom Objektiv von Zeiss dabei. Sonst nix. Das wiegt zusammen schon ca 1200g und war gerade noch im Rahmen, was Gewicht und Einsatzbereich angeht. Einen Kompromiss muss man ja bekanntlich immer sterben.

Also  abends im Dunkeln unterwegs, Kamera wie immer in der Tasche, Stativ wie fast immer im Hotelzimmer. Ein tolles Motiv entdeckt man trotzdem und dann muss halt wieder die ISO hoch. Besser verrauscht ….

Und dass die Regel sogar bei ISO 16.000 stimmt, habe ich vor einem Jahr heute gemerkt:

In der Govenor’s Residence in Yangon war auf der Veranda eine fantastisches Buffet aufgebaut und der Chef hat uns den Inhalt von den Töpfchen, in denen seine Lieblingsgerichte waren, so liebevoll erklärt, dass ich einfach ein Bild von Ihm und seinen Helfern machen musste.

Es war dunkel, ich hatte keine mobile Blitzanlage und so musste die ISO hoch. Bis auf ISO 16.000 um noch mit 1/40 sec fotografieren zu können.
Das Bild ist natürlich völlig verrauscht und kontrastarm.

Anyway, mit etwas Bearbeitung in Lightroom (S/W Umwandlung und Teiltönung bei dem Gruppenbild mit Koch, ansonsten Entrauschen, Scharfzeichnen, Lichtakzente setzen, gerade rücken), kamen zwei Bilder raus, die auf 500px.com sogar  „Popular“ wurden.

Popular sind Bilder, die einen „Pulse“ von 80 schaffen, das Maximum liegt bei 99,9.
Das Bild aus der Langbar hat es sogar auf einen Pulse von über 90 gebracht, das schaffen bei mir sonst fast nur Bilder mit schönen Frauen.
Und das nur mit Erdnüssen, einem fast leeren Bierglas und  ISO 12.800!

Der Pulse errechnet sich wohl irgendwie aus der Anzahl an Likes und Faves, Kommentaren, Views – keine Ahnung, ob der Algorithmus überhaupt bekannt ist – mir jedenfalls nicht.

Auf jeden Fall  habe ich hier zwei Bilder mit ISO 16.00 und 12.800, bei denen der Puls für meine Verhältnisse schon sehr hoch ausgeschlagen hat:

Und dass ausgerechnet Bilder, die in einer Situation entstanden sind, bei der man normalerweise ohne Blitz gar nichts mehr machen kann, das geschafft hat, finde ich so beeindruckend, dass ich diesen Artikel geschrieben habe um euch zu ermutigen, das auch zu probieren.

Hier der Link zum Bild von der Govenor’s Residence aus Yangon auf 500px und der Vorher-Nachher Vergleich:

Schwarz Weiss Umwandlungen helfen oft bei Aufnahmen mit hohen ISO Werten, weil hauptsächlich das Farbrauschen stört und das Helligkeitsrauschen eher als „grobes Filmkorn“  durchgeht. Man kann es auch mit Filmkorn-Effekt in Lightroom überlagern, dan sieht es noch natürlicher aus, es gehen aber auch noch mehr Details verloren.

Hier noch ein Farbbild der berühmten Erdnüsse in der Long Bar vom Raffle’s Hotel in Singapur. Die Schalen landen übrigens immer noch auf dem Boden, was besonders nach Mitternacht, wenn es nicht mehr so voll ist, noch so richtige „Dschungelbaron“ Atmosphäre aufkommen lässt, vorher ist es eher eine volle Touri-Bar, die wohl auf der ToDo Liste von jedem Stop-Over in Singapur steht.

Wieder der Link zum Bild auf 500px und der Vergleich:

Mein Fazit

Bilder mit hohen ISO Zahlen kann man durchaus machen. Man braucht dafür auch keine Vollformat Kamera, wir haben neben der A7 noch eine A6000, damit kann man praktisch in der gleichen Lichtsituation fotografieren. Andere Kameras sind da sicher ähnlich unterwegs. Bei Handys sieht das natürlich etwas anders aus, die haben schon sehr, sehr kleine Sensoren, die bei hoher ISO deutlich schneller in die Knie gehen.

Die Kameras könnte man heute schon auf ISO 100.000 oder so einstellen, aber es macht kein Mensch, weil die Ergebnisse dann doch enttäuschen.

Meine Aufnahmen mit ISO 12.800 oder 16.000 sahen auf dem Kameradisplay noch gut aus, am großen Computermonitor aber schon nicht mehr. Da merkt man, wie kontrastarm und verrauscht sie sind.

Mit etwas Aufwand lassen sie sich aber in der „Post“ /  Nachbearbeitung zu durchaus ansehnlichen Bildern entwickeln.

Ich sage bewusst entwickeln. Was manche als „in Photoshop tricksen“ verteufeln, ist eigentlich nichts anderes, als das, was früher im Chemielabor gemacht wurde: Belichtung und Kontrast wurden u.a. durch die Auswahl des passenden Papiers und mit Anwedeln und partiellem Nachbelichten mit viel Aufwand angepasst.

Ok, nicht die Fotos, die man bei Aldi/Lidl/Media Markt  abgegeben hat, aber ganz sicher ALLE Bilder, die man in einer Galerie an der Wand gesehen hat.

Und viel mehr kann man in Lightroom auch nicht am Bild drehen. Nur viel bequemer und ohne den enormen Verbrauch an Papier, Chemikalien und Zeit.

Wer genau wissen möchte, was ich mit den Bildern in Lightroom gemacht habe, kann sich gerne melden :-) Wirklich!

 

 

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